Montag, 10. August 2009

Die E-Book Buchpreisbindung hat keine Zukunft

Im Verlagswesen herrscht eine brennende Diskussion über die Buchpreisbindung bei E-Books. In einer offiziellen Erklärung gilt das Gesetzt nun seit September 2008.

Meiner Meinung nach gibt es dafür nur eine Antwort: Nein zu Buchpreisbindung bei E-Books! Sie bremst die Entwicklung des E-Book-Marktes in Deutschland aus und schadet den deutschen Verlagen.


Im Grunde treffen hier zwei fremde Welten aufeinander. Das klassische Verlagswesen, dessen Wurzeln im "offline-Geschäft" liegen (Verkauf von Büchern im Sortimentshandel), kommt in Berührung mit dem E-Book, dessen Vertrieb hauptsächlich im Internet stattfinden soll. Das Buchpreisbindungsgesetz, das eigentlich für ein materielles Gut konzipiert wurde, wurde 1:1 auf das E-Book übertragen. Es wird also kompliziert...


Zuerst betrachten wir mal die Argumente der Befürworter:

"Es wäre eine Entwicklung mit fatalen Folgen für alle, wenn die Verlage das anlaufende E-Book-Geschäft gleich mit Dumpingpreisen weit unter der Deckungslinie beginnen würden" (Lübbe-Gruppe).

"Ohne Preisbindung könnten im Markt für E-Bücher oligopolistische oder gar monopolistische Strukturen entstehen, die sich auf die Vielfältigkeit und Verfügbarkeit des Angebots gedruckter Bücher auswirken würden". (Börsenverein)

Das zentrale Problem bei zumindest diesen beiden Argumentationen ist, dass sie erstens von einem klassischen Vertriebsmodell (Verkauf von E-Books über ein Online-Shop) und einem nationalen Markt ausgehen.

Jetzt die Punkte, die meine These untermauern:


Wettbewerb

Im Internet gelten andere Gesetze! Wir haben hier eine ganz andere Wettbewerbssituation. Es herrscht ein internationaler Wettbewerb. Was spricht dagegen, dass deutsche E-Books aus dem Ausland angeboten werden, wo es keine Buchpreisbindung gibt. Damit wären deutsche E-Book-Anbieter, die am hiesigen Preisgefüge gebunden sind, benachteiligt gegenüber der ausländischen Konkurrenz.


Piraterie

Erstens, keiner ist bereit den selben Preis für ein E-Book zu bezahlen wie für eine Print-Ausgabe. Zweitens, mit hohen Preisen bremsen wir nur die Entwicklung des E-Book-Markts aus und fördern die Piraterie.
Das E-Book-Geschäft befindet sich in der einzigartigen Situation, dass es gerade "richtig" anfängt. Es ist die Gelegenheit, das Bewusstsein der Kunden gegenüber E-Books positiv zu beeinflussen. Der Leser soll mit dem Begriff "E-Book" nicht gleich an "teuer" denken, sonst werden sie erst recht auf eine Raubkopie zurückgreifen.

Geschäftsmodell
Wir müssen weg von dem herkömmlichen Vertriebsmodell. Die Musikindustrie ist damit schon gescheitert. Was sicher ist, die Raubkopien werden kommen und mit immer günstigeren E-Book-Readern wird ihre Nachfrage steigen. Da wird auch kein DRM-Schutz helfen oder andere Aktionen gegen die Piraterie. Wir brauchen neue Geschäftsmodelle, die an das Internet angepasst sind und wovon alle Beteiligten wie der Kunde, die Verlage und insbesondere die Autoren profitieren. Das aber geht nur ohne die Buchpreisbindung.


Es bleibt spannend und am Ende gewinnt...


Liebe Grüsse


Hung

5 Kommentare:

vandenhoeck hat gesagt…

Hallo und herzlich Willkommen in der Welt der Blogs.

Verhindert die Buchpreisbindung denn das Entstehen neuer Geschäftsmodelle für das Internet? Ist die Buchpreisbindung "schuld" an teuren Büchern?

Der Preis für Bücher richtet sich doch nach engkalkulierten Vorgaben. Der Verlag legt nach seiner Kalkulation der gesamten Kosten einen Ladenpreis fest, der überall in Deutschland gilt (und auch, wenn ein Buch reimportiert wird). Das stellt sicher, dass sich die Buchhandlungen nicht gegenseitig unterbieten und sichert so die Existenz vieler Verkaufsstellen (neben anderen wichtigen Punkten).

Die Buchpreisbindung sagt noch nichts über den Preis des Buches oder des E-Books aus.
Das E-Book ist wie das gedruckte Buch ein Medium, Informationen zu verbreiten. Natürlich ist das E-Book geschaffen für den Online-Vertrieb. Aber wollen wir Verlage denn den Buchhandel hier komplett ausklammern? Wollen Verlage und Leser auf kompetente Beratung (auch was E-Books, Reader, Downlaodmöglichkeiten) verzichten? Wäre es nicht doch sinnvoll, mehrere Vertriebkanäle zu nutzen und den Buchhandel auch im E-Book-Geschäft einzubinden?

Sicherlich kosten E-Books ein bisschen weniger als die gedruckte Version. Denn die Druckkosten entfallen. Aber Redaktion, Lektorat, Gestaltung, Vertrieb, Marketing, Autorenakquise etc. wird trotzdem geleistet. Und auch die muss bezahlt werden. Und die Kosten im Verlag müssen gedeckt werden. Ich sehe keinen Grund, wieso bei einer vernünftigen Kalkulation und Preisgestaltung hier nicht doch die Preisbindung greifen sollte, wo doch das E-Book als Subsitut des gedruckten Buches gelten kann? Und wo hier wirklich die Nachteile liegen?

Ist es nicht gerade schön, bei Büchern (E oder P) davon ausgehen zu können, dass man überall dasselbe bezahlt? Man muss sich hier nie ärgern, das Buch woanders zu einem besseren Preis verpasst zu haben :)

Aber das ist auch bei uns im Verlag eine Frage, die noch diskutiert wird. Was ich aber sehe, ist: Das Verkaufen von Kapiteln und einzelnen Seiten wird besonders im wissenschaftlichen Bereich wohl stark zunehmen - und diese werden nicht preisgebunden sein. Hier kommt also sicherlich die gewollte Flexibilität zum Tragen.

Mit schönen Grüßen,

Annika Zempel (Vandenblog)

Kelvan hat gesagt…

Ja vielen Dank:). Ich freue mich über jeden Beitrag zu diesem Thema. Denn es ist wichtig für uns alle und daher versuche ich es von verschiedenen Standpunkten zu betrachten. Natürlich bin ich auch gegen Preisdumping und momentan ist die Buchpreisbindung für E-Book der einzige Schutz. Aber nur für wie lange? Wenn man das Gesetz genauer betrachtet, wird man sofort Schwachstellen zu den Regelung der Ausnahmen finden. Doch in Zukunft wird die Preisproblematik das kleinere Übel sein. Denn die Verlage werden generell kaum Umsätze machen, weil wir die Raubkopieproblematik nicht in Griff bekommen werden. Wir sollten die Freiheit haben andere Geschäftsmodelle zu entwickeln, die resistent(er) gegen Raubkopien sind. Nur mit der Buchpreisbindung sind wir an das "alte" Modell gebunden.

Hier ein interessanter Artikel zum Thema:

http://www.boersenblatt.net/254868/

Liebe Grüsse

Hung

vandenhoeck hat gesagt…

Hallo Hung,

die Raubkopierproblematik und auch den Kopierschutz sehe ich ebenfalls als diskussionswürdig an. Aber inwiefern steht die Preisbindung denn der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle im Weg, die resistenter gegen Raubkopien sind? Was haben wir davon, wenn unsee E-Books zu viel zu niedrigen Preisen angeboten werden?

Welche Geschäftsmodelle schweben Ihnen denn da vor?

Schöne Grüße,
Annika Zempel (Vandenblog)

Kelvan hat gesagt…

Hallo Annika,

die Buchpreisbindung basiert ja auf das gängige Vertriebsmodell eines Sortimenthandels. Ganz klassisch wir haben ein Shop, worüber ein Produkt zu einen Festpreis vertrieben wird. Dieser Festpreis wir durch die Buchpreisbindung reguliert. Im Internet aber, lassen sich aber ganz andere Geschäftsmodelle entwickeln. Diese müssen aber konform mit dem Buchpreisbindung sein, das schränkt natürlich die Möglichkeiten ein.

Das Modell muss so konzipiert sein, dass man nicht gegen das Internet steuern muss (wie es momentan ist, in dem wir versuchen die illegale Verbreitung durch Schutz, Strafen etc. zu unterbinden, was immens teuer und nutzlos ist), sondern die Philosophie, Kultur und Möglichkeiten des Internet nutzt.

Ich denke ein wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Geschäftsmodell gegen Piraterie ist "Mehrwert schaffen".

D.h. im unserem konkreten Fall mit E-Books bedeutet dies, dass ein Verlag nicht davon leben kann einfach nur ein "E-Book" reinzustellen und zu verkaufen, sondern um das Produkt zusätzliche Services bietet. Dadurch entstandene Kosten lassen sich durch die fehlenden Druckosten wieder reinholen und man könnte das E-Book auch zu einen angemessen Preis anbieten.

So ein Modell wäre meiner Meinung mit der Buchpreisbindung schwierig, da die "Mehrwert"-Kosten unterschiedlich ausfallen, diese aber letztlich den Preis des E-Books bestimmen.

Das ist halt nur ein Beispiel, das mir spontan eingefallen ist:).

Liebe Grüsse

Hung

vandenhoeck hat gesagt…

Nun, aber ist denn wirklich das Problem hier die Preisbindung (wie in dem verlinkten Artikel oben) oder doch eher die Frage nach einem Digital Rights Management (Schutz vor Raubkopien)?

Nun, wenn der Leser einen "Mehrwert" möchte (was ich vollständig unterstütze) lassen sich aber doch die gewünschten Preise (möglichst niedrig, siehe Artikel) nicht mehr realisieren. Natürlich fehlen beim reinen E-Book die Druckkosten. Aber der Rest + eventueller Mehrwert muss trotzdem finanziert werden.

Eine mögliche Variante: Das E-Book als Substitut des gedruckten Buches ist in seiner Gänze (freiwillig?) preisgebunden. Einzelne Kapitel, Seiten zum Download sind es nicht. Je nach Umfang und eventuell auch Anzahl zulässiger Kopien, Ausdrucke etc. (DRM) bemisst sich der Preis. Das lässt sich mit der Preisbindung durchaus vereinen. Und das E-Book wäre immer noch günstiger als die gedruckte Version.

Schöne Grüße,

Annika Zempel (Vandenblog)